Die Entdeckung der Currywurst - Rezension

Die Novelle „Die Entdeckung der Currywurst“ handelt nicht nur von der Entdeckung, sondern im Vordergrund wird eigentlich das Leben der Entdeckerin Lena Brücker aus Hamburg reflektiert. Das Buch beginnt mit der Jugendzeit des Erzählers, dessen Tante im selben Haus der Entdeckerin der Currywurst, Lena Brücker, lebt. Er selbst hat an deren Stand oft die dort zu genießende Currywurst gekostet. In seinem späteren Leben erzählt er allen, dass diese Frau Brücker die Currywurst entdeckt hatte, doch irgendwann will er es genauer wissen. Wie entdeckt man eigentlich so eine Currywurst? So bringt ihn sein fester Entschluss die Geschichte zu erfahren nach Hamburg, dem Wohnort seiner Tante und auch von Frau Brücker. Dort angelangt besichtigt er die Schauplätze seiner Jugend und nimmt die Spuren Frau Brückers auf. Er findet sie im Altersheim. Dort beginnt sie ihm auf seinen Wunsch eine sieben Tage dauernde Geschichte über ihre Vergangenheit zu erzählen, dessen Hauptinhalt ihre Liebesgeschichte zu dem 24-jährigen Deserteur Hermann Bremer ist. Die verlassene circa 43-jährige versteckt ihn bei sich in der Wohnung und da sie seine Gesellschaft genießt verschweigt sie ihm das Kriegsende und verstrickt sich im weitern Verlauf in viele kleine Lügen. Nach ein paar Wochen platzt es ihr heraus und er verschwindet aus ihrer Wohnung. Danach beginnt sie ein neues Leben, ihr Mann kommt wieder, den sie aber kurze Zeit später wieder vor die Tür setzt. Dann sucht sie einen neuen Job und kommt auf die Idee eine Imbissbude zu eröffnen. Am Tag vor der Eröffnung entdeckt sie durch einen Zufall das Rezept der Currywurst. Dann eröffnet sie ihren Stand mit dieser neuartigen Mischung und wird für ihre Currywurst berühmt.Um ehrlich zu sein, das Gesamtwerk fand ich beim ersten Lesen nicht sonderlich gut gelungen, eher langweilig, vor allem die kurzen Geschichten, die vom Rest des Buches abweichen. Es ist sehr anstrengend zu lesen, da der Autor sehr schnell zwischen den drei verschiedenen Zeitebenen hin und her springt und zudem auch noch gänzlich auf wörtliche Rede verzichtet, wodurch aber wiederum teilweise auch Spannung aufgebaut wird. Hinzuzufügen ist, dass man etwas völlig anderes mit dem Buchtitel assoziiert und nicht mit einer außergewöhnlichen Liebesgeschichte rechnet. Wenn man Teilstücke liest und sich darauf einlässt, am Ende nicht viel mehr über die Entdeckung der Currywurst zu wissen, wird man gefangen von einer einseitigen Liebesgeschichte, die unter die Haut geht. Die Vergangenheit von Lena Brücker steckt voller Liebe, Abenteuer und Mühsal des Alltags und diese wird einem durch die authentischen Charaktere nahe gebracht und man beginnt einen Bezug zu den Charakteren aufzubauen. Meiner Meinung nach ist die Currywurst-Entdeckung absolut nebensächlich und man hätte gut darauf verzichten können, da ihr sonstiges Leben sehr viel interessanter wirkt. Da die sonst so lang gezogene Geschichte Lena Brückers auf den letzten Seiten, in denen es sich nun endlich um die Entdeckung der Currywurst handelt, so gerafft wirkt, scheint es mir, als wäre Uwe Timm am Ende der Erzählung selbst auf dieses Problem gestoßen und so musste er nun noch schnell die über das gesamte Buch fast vergessene Entdeckung mit einfügen. Die Zeitebenen, bzw. die Rahmen- und Binnenhandlungen, des Buches, Heute, Jugendzeit des Erzählers und die Nachkriegszeit, werden meist ohne sichtbaren Übergang gemischt, sodass man beim Lesen sehr verwirrt ist und oft erstmal zuordnen muss zu welcher Ebene das eben Gelesene gehört.Ich finde, das Buch ist sehr schwer als Ganzes zu bewerten, da mir vieles überhaupt nicht gefallen hat, es aber irgendwie wieder durch diese Liebesgeschichte ausgeglichen wurde. Davon ganz abgesehen sind die Zwischengeschichten viel zu lang, so dass man vieles einfach überliest. Ich finde aber die Liebesgeschichte, die eigentlich als solche gar nicht besteht, ist unheimlich schön beschrieben und zudem noch in vielen Fällen belustigend. Außerdem sind das die Stellen im Buch, in denen man viele Gefühle für die Charaktere entwickelt und genau diese Stellen bringen einen zum Schmunzeln. Die einzelnen Stücke sind doch wertvoller als die Summe aus allem zusammen.

20.12.15 20:33

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